Fliegendes Pferdemädchen – Traumjob trotz Pferd

In letzter Zeit häufen sich die Fragen zu meinem Job als Flugbegleiterin. Wie ist das so? Bist Du da nicht viel unterwegs? Wie schaffst Du das mit Jim? Und wer kümmert sich überhaupt um Jim, wenn Du fliegst?

Viele Fragen die ich mit diesem Blog Eintrag gerne beantworten möchte.
Vorab: Der Beruf als Flugbegleiterin ist mein Traumjob. Dennoch bin ich eine genauso liebevolle Pferdemama, auch wenn ich nicht jeden Tag der Woche im Stall sein kann.

Wo fange ich also am besten an, Euch meinen Flieger- und Stallalltag zu beschreiben?!
Mein Beruf ist jeden Tag anders, neue Flieger, neue Ziele und des Öfteren auch Wechsel innerhalb der Crew. Ich habe also gelernt, mich sehr spontan immer wieder auf neue Dinge einzustellen.
Jeden Monat bekomme ich einen neuen Dienstplan und keiner gleicht dem anderen. Meine Ziele sind quer durch Europa verteilt, sogar nach Weißrussland komme ich immer mal wieder.  Ich fliege nur Kurzstrecke. Und bis jetzt muss ich sagen, ist dies auch genau das, was mir sehr viel Spaß macht. Ich kenne die meisten meiner Kollegen, zumindest die, die auch in Frankfurt stationiert sind. Durch das Fliegen habe ich wunderbare Freunde kennengelernt.

Wie sieht meine Woche eigentlich so aus? Ich habe keine geregelten Wochenenden. Mal bin ich an zuhause, mal bin am Fliegen. Genauso ist es auch mit Feiertagen. Ich arbeite wenn andere frei haben, genieße aber auch meine freien Tage, wenn andere arbeiten.
In der Regel fliege ich 3-4 Tage am Stück. Wenn ich z.B. eine Vier Tages Tour habe, bin ich insgesamt vier Tage unterwegs und habe dabei drei Übernachtungen.  Hinzu kommt  noch der Wechsel zwischen Früh- oder Spätdienst.  Je nachdem bin ich dann am ersten Tag bevor ich fliegen bin im Stall (Spätdienst) oder am letzten Tag nach dem Fliegen (Frühdienst).  Manchmal gibt es Dienste, bei denen bin ich nur zwei Tage unterwegs. Aber es gibt auf Umläufe wo ich ganze 5 Tage unterwegs bin. Schön sind die sogenannten Stationsdienste. Dies bedeutet ich starte meinen Dienst an meiner Heimatbasis (in meinem Fall Frankfurt), fliege z.B. nach London City, wieder zurück nach Frankfurt und dann nochmal nach Florenz und wieder zurück nach Frankfurt. Ich Ende also bei einem Stationsdienst an meiner Heimatbasis und bin wieder zuhause. Dies variiert je nach Dienstplan immer anders.

Manchmal fliege ich sogar erst nach München um dann von dort aus meine Tour zu starten. Da ich mich in Frankfurt allerdings viel wohler fühle, bin ich immer froh wenn das nicht allzu oft passiert.

Insgesamt fliege ich auf zwei verschiedenen Flugzeugmustern: Dem Canadair Jet 900 und der Embraer 190 und 195. Dort fliege ich auch auf jeder Flugbegleiter Position. Es kann Euch also mal passieren dass Ihr an Board seid und ich alle Ansagen des Fluges spreche.

Auch eine Frage, die ich als Flugbegleiterin sehr oft gestellt bekomme ist, ob der Tomatensaft in der Luft wirklich anders schmeckt als am Boden. Ich kann da nur aus meinem Selbstversuch sprechen: Für mich schmeckt er immer gleich, egal ob am Boden oder in der Luft. Ich habe ja die Theorie, dass viele Tomatensaft an Bord eines Flugzeuges nur trinken, weil sie sich diesen zuhause nie kaufen würden. Es ist also etwas „besonders“,  oder vielleicht auch ein bisschen exotisches, was viele mit dem  Fliegen verbinden.

Ihr seht, mein Beruf hat viele Seiten. Ich bin aber nicht nur eine „Kellnerin der Lüfte“. In einer Notsituation sind wir Flugbegleiter dafür da, Menschen zu helfen. Im schlimmsten aller Fälle können wir Brände löschen oder auch Passagiere so sicher wie möglich aus dem Flugzeug evakuieren. Auch bei medizinischen Notfällen sind wir zur Stelle. Aber auch bei „kleineren Dingen“ wie z.B. Gästen mit  Flugangst können wir gut zu sprechen und einfach da sein.

Aber wie schaffe ich das nun alles, als liebende Pferdemama?
Ich glaube, als ich mit dem Beruf als Flugbegleiterin angefangen habe, hat Jim es mir am Anfang schon übel genommen, das ich nicht mehr wie gewohnt jeden Tag im Stall war. Ich kam sehr oft freudig in den Stall und Jim drehte mir den Hintern zu und ignorierte mich. Mittlerweile hat sich das aber gelegt und ich werde immer freundlich begrüßt.
Ohne eine Reitbeteiligung geht dies natürlich eher nicht, weshalb ich froh bin, für Jim auch eine haben. Wir gleichen am Monatsanfang immer meinen Dienstplan ab und besprechen an welchen Tagen ich fliege und es nicht zu Jim schaffe. In der Regel sind dies 2-3 Tage in der Woche.
Sollte es meine Reitbeteiligung an einem abgesprochenem Tag nicht schaffen, in den Stall zu können, habe ich wunderbare Menschen die im Notfall einspringen.
Denn ohne Hilfe ist ein Leben als Flugbegleiterin mit Pferd  nicht möglich. Ich bin dankbar, dass ich so tolle Freunde um mich habe, auf die ich mich immer verlassen kann.
Auch mein Verlobter unterstützte mich von Anfang an bei meinem Vorhaben als Flugbegleiterin. Obwohl  auch er mich nicht jeden Tag in der Woche sieht, ist es immer wieder schön zu Ihm nachhause zu kommen.

Sicher möchtet Ihr jetzt wissen, bei welcher Airline ich arbeite: Bitte nehmt es mir nicht übel, das ich dies aus der Öffentlichkeit halten möchte. Solltet Ihr allerdings mal an Bord meines Fluges sein, sprecht mich gerne an. Selbst in meiner Düsen-Uniform freue ich mich darauf, Euch Knöpfe kennenzulernen 🙂


3 Gedanken zu “Fliegendes Pferdemädchen – Traumjob trotz Pferd

  1. Toller Beitrag! Mich würde es interessieren, wie das mit der Ausbildung als Flugbegleiterin aussieht? Mich würde es freuen, wenn du mal davon berichtest, was man in der Ausbildung alles macht und welche Voraussetzungen man dafür mitbringen muss.

    Liebe Grüße:)

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    1. Das ist wirklich etwas umfangreicher. Da es sich auf meinem Blog ausschließlich um das Thema Reitsport geht, finde ich einen Beitrag über meinen Job da nicht wirklich passend. Ich hoffe Du verstehst was ich meine.
      In der Ausbildung lernt man viele verschieden Dinge, vom richtigen Service, über das Evakuieren eines Fliegers bis hin zum Feuerbekämpfen. Es ist wirklich sehr viel dabei. Welche Vorraussetzungen man dafür genau braucht, hängt immer von der jeweiligen Airline ab. Aber gutes Englisch ist überall eine Grundvorraussetzung. Das war jetzt mal ein recht kurzer Einblick 🙂

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